Archiv der Kategorie: Bildungspolitik

Digitalisierung und Bildung

Heute fand die erste nationale Konferenz „Digitale Schweiz“ unter Federführung des BAKOM in Biel statt, mit vielen Vertretern aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft sowie der Zivilgesellschaft statt. Die Digitalisierung wird die Gesellschaft stark verändern, und so ist es gut, dass das Thema die Aufmerksamkeit auch an höchster Stelle hat. Die Frage ist nicht, ob die Digitalisierung kommt, sondern wie wir damit umgehen, wie wir sie für einen gesellschaftlichen – und nicht nur wirtschaftlichen – Mehrwert nutzen, und wie wir in einer globalisierten Welt auch den Herausforderungen begegnen können. Auch wenn die Schweiz bezüglich Digitalisierung der Verwaltung und E-Government noch nicht soweit ist wie Estland – die Ausführungen dazu von Taavi Kotka, des früheren CIO der estnischen Regierung, waren sehr aufschlussreich – wird schon einiges gemacht: Die Notwendigkeit einer nationalen Dateninfrastruktur ist erkannt, ein erstes Portal für offene Behördendaten ist mit opendata.swiss vorhanden, und auch in vielen Kantonen sind unterschiedliche Aktivitäten im Gange.
In diesem Beitrag möchte ich aber einen Fokus auf einen anderen Aspekt legen, der für die Gesellschaft und die Demokratie im Zuge der Digitalisierung sehr wichtig ist: Die Bildung. Und dabei geht es nicht nur um die höhere Bildung auf Stufe Universität und Fachhochschule. Damit eine direkte Demokratie funktionieren kann, braucht es mündige Bürger, welche auch über entsprechende Datenkompetenzen verfügen. Es ist meines Erachtens sehr wichtig, dass jede Bürgerin und jeder Bürger versteht, was Daten sind, was mit ihnen gemacht werden kann und auch gemacht wird. Nur so kann Manipulationsgefahren begegnet werden, wie sie z.B. mit Datenvisualisierungen versucht werden. Das bekannte Beispiel der SVP bezüglich dem Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung mit der Nulllinie bei 4 Mio. ist ein gutes Exempel für solche Manipulationsversuche. Ausserdem sollte jede Bürgerin und jeder Bürger ermächtigt werden, sie betreffende Daten einzusehen, zu korrigieren und allenfalls für Dritte freigeben zu können. Eine solche Selbstverantwortung erfordert neben Wissen und Datenkompetenz selbstverständlich auch Zugangsmöglichkeiten, die einfach zu verstehen sind. Hier sind die Datenhalter gefordert, und es muss in Zukunft auch möglich sein – wie in Estland -, dass ich auch einsehen kann, wer alles auf mich betreffende Daten zugegriffen hat.
Wir alle benötigen diese Datenkompetenzen, deshalb ist auch essentiell, dass die Vermittlung solcher Kompetenzen schon in der Primarschule angegangen wird, selbstverständlich mit dem Alter der Schülerinnen und Schüler angepassten Didaktikmethoden. Informatikunterricht sollte nicht erst oder nur an Gymnasien obligatorisch sein, auch wenn Doris Leuthard an der Konferenz heute stolz darauf war, dass der Kanton Aargau der erste Kanton der Schweiz mit obligatorischem Informatikunterricht sei. Das ist nicht mehr als ein guter erster Schritt. Die spannende Frage wird sein, wie ist dieser Unterricht gestaltet. Meiner Meinung nach ist es nicht zwingend notwendig, dass alle Schülerinnen und Schüler programmieren können müssen. Wie schon angedeutet, das Ziel muss die Datenkompetenz sein. Aber, als Methode, um die Datenkompetenz zu erlangen, kann Programmierunterricht durchaus sinnvoll sein.
Um für die Digitalisierung bereit zu sein, wird von vielen Stellen gefordert, dass die MINT-Fächer an den Schulen gestärkt werden müssen. Dem ist sicherlich zuzustimmen, allerdings mit einem kleinen Caveat: Das sollte nicht zulasten der Sprachkompetenzen gehen. Der Unterricht von 2 Fremdsprachen an den Primarschulen ist wichtig. Für die Verständigung und den Zusammenhalt in der mehrsprachigen Schweiz sind sprachliche Kompetenzen unabdingbar, und ich sage das als ausgebildeter Informatik-Ingenieur. Gerade heute wurde das an der Konferenz augenscheinlich: Der Gastvortrag war auf Englisch, und in den Panel-Diskussionen und den Workshops wurden sowohl Deutsch wie auch Französisch gesprochen, ohne Übersetzungen. In der Schweiz können wir miteinander sprechen, diskutieren und einander verstehen, auch wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen.

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Weniger Sprachunterricht in der Primarschule – Nein Danke!

Der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) fordert zurecht, dass der Fremdsprachenunterricht gemäss den Leitlinien der EDK umgesetzt werden soll. Dass die Primarlehrer dazu besser geschult werden müssen, ist auch richtig. Aus meiner Sicht am besten durch Intensivsprachaufenthalte während den Schulferien – Zeit ist ja da genug.

Ansonsten müsste – so der LCH – die zweite Fremdsprache als Wahlpflichtfach geführt werden. Dies ist klar abzulehnen. Die Begrüdung, gewisse Kinder hätten mit der zweiten Fremdsprache Schwierigkeiten, ist nicht stichhaltig. Auch wenn die Schule allen Kindern dieselbe Ausbildung zuteil kommen lassen sollte, ist eine solche Nivellierung nach unten der falsche Weg. In der heutigen globalisierten Welt sind Sprachkenntnisse insbesondere für Menschen aus der kleinen Schweiz enorm wichtig. Je früher damit begonnen wird, desto besser. Wie ich an meinen eigenen Kindern sehen konnte, lernen diese viel schneller als im Teenageralter; beide haben von diesem Unterricht profitiert. Also nur weil ein paar Kinder mit einem Fach Probleme haben, muss es ja nicht für alle abgeschafft werden.

Die zweite Fremdsprache als Wahlpflichtfach anzubieten, führt ausserdem zu weiteren Problemen: Die Lehrer in den oberen Stufen haben dann plötzlich eine Klasse vor sich, deren Stand bezüglich Fremdsprachen sehr unterschiedlich ist. Ein guter Unterricht für alle wird so verunmöglicht.

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